Ketamidor
ATC-Code
Tierarten
Pferd, Rind, Schwein, Hund, Katze
Diagnosen
Als alleinige Anwendung zur Ruhigstellung und für kleinere chirurgische Eingriffe bei der Katze, wenn Muskelrelaxation nicht notwendig ist.
Zur Einleitung einer Anästhesie:
a) in Kombination mit Detomidin beim Pferd
b) in Kombination mit Xylazin bei Pferd, Rind, Hund und Katze
c) in Kombination mit Azaperon beim Schwein
d) in Kombination mit Medetomidin bei Hund und Katze
e) in Kombination mit Diazepam beim Hund
Wartezeit
Pferd und Rind:
Essbare Gewebe: 0 Tage
Milch: 0 Stunden
Schwein:
Essbare Gewebe: 0 Tage
Dosierung und Art der Anwendung
Intravenöse Anwendung (i.v.): Pferd, Rind, Hund und Katze.
Intramuskuläre Anwendung (i.m.): Schwein, Hund und Katze.
Subkutane Anwendung (s.c): Katze.
Die Wirkung von Ketamin kann große interindividuelle Unterschiede zeigen, daher ist die zu verabreichende Dosis an das jeweilige Tier anzupassen, abhängig von verschiedenen Faktoren wie Alter und Gesundheitszustand des Tieres, sowie der Tiefe und Dauer der erforderlichen Anästhesie. Wirkungsverlängerungen sind durch wiederholte Gaben einer eventuell reduzierten Initialdosis möglich.
Bei Kombinationsanästhesie: Vor der Anwendung von Ketamin ist für eine ausreichende Sedierung zu sorgen.
Pferd:
Für eine ausreichende anästhetische Wirkung ist eine Prämedikation mit einem Sedativum erforderlich.
Zur Einleitung einer Anästhesie: mit Detomidin:
Detomidin 20 µg/kg Körpergewicht i.v., nach 5 Minuten
Ketamin 2,2 mg/kg Körpergewicht schnell i.v. (2,2 ml/100 kg Körpergewicht)
Die Wirkung erfolgt graduell und es dauert ungefähr 1 Minute, bis sich das Tier niederlegt. Die Wirkdauer beträgt ca. 10 - 15 Minuten.
mit Xylazin:
Xylazin 1,1 mg/kg Körpergewicht i.v., gefolgt von
Ketamin 2,2 mg/kg Körpergewicht i.v. (2,2 ml/100 kg Körpergewicht)
Der Wirkungseintritt erfolgt graduell und dauert ungefähr 1 Minute. Die Wirkdauer ist variabel und beträgt 10-30 Minuten, aber für gewöhnlich weniger als 20 Minuten.
Nach der Verabreichung legt sich das Tier spontan ohne weitere Hilfe nieder. Ist auch eine ausgeprägte Muskelrelaxation erforderlich, können dem liegenden Tier Muskelrelaxantien verabreicht werden, bis erste Anzeichen einer ausreichenden Relaxation auftreten.
Rind:
Eine sedative Prämedikation wird empfohlen, um unkontrolliertes Niederlegen oder Exzitationen zu vermeiden bzw. um die Anästhesie zu vertiefen. Sauerstoff kann über einen Nasenkatheter verabreicht werden, um einer durch Seiten- oder Rückenlage möglichen Hypoxie vorzubeugen.
Zur Einleitung einer Anästhesie: mit Xylazin:
Xylazin 0,14 - 0,22 mg/kg Körpergewicht i.v./i.m., gefolgt von
Ketamin 2 - 5 mg/kg Körpergewicht i.v. (2 - 5 ml/100 kg Körpergewicht)
Der Wirkeintritt beginnt nach ca. 1 Minute, die Wirkdauer der Anästhesie beträgt ungefähr 30 Minuten.
Wenn Xylazin i.v. verabreicht wird, ist die niedrigere Xylazin-Dosierung anzuwenden.
Schwein:
Zur Einleitung einer Anästhesie: mit Azaperon:
Ketamin 15 - 20 mg/kg Körpergewicht i.m. (1,5 - 2 ml/10 kg Körpergewicht) und 2 mg/kg Körpergewicht Azaperon i.m.
Bei 4 – 5 Monate alten Schweinen erfolgte der Wirkeintritt nach einer Dosis von 2 mg/kg Körpergewicht Azaperon und 20 mg/kg Körpergewicht Ketamin i.m. nach 29 Minuten und die Wirkdauer betrug 27 Minuten.
Hund:
Beim Hund kann Ketamin nicht als alleiniges Anästhetikum verwendet werden, da es zu einem erhöhten Muskeltonus und zu unkoordinierten Muskelkontraktionen führt.
Zur Einleitung einer Anästhesie: mit Medetomidin:
Medetomidin 40 µg/kg Körpergewicht i.m.
gefolgt von
Ketamin 5 – 7,5 mg/kg Körpergewicht i.m. (0,5 – 0,75 ml/10 kg Körpergewicht) Die Wirkdauer variiert dosisabhängig und beträgt zwischen 30 und 50 Minuten.
mit Xylazin:
Xylazin 2 mg/kg Körpergewicht i.m. nach 10 Minuten
Ketamin 10 mg/kg Körpergewicht i.m. (1 ml/10 kg Körpergewicht).
Bei Hunden, die mehr als 25 kg wiegen, ist die Xylazin-Dosis auf 1,3 mg/kg Körpergewicht zu reduzieren.
Die Wirkung tritt gewöhnlich innerhalb von 10 Minuten ein, die Wirkdauer beträgt ungefähr 30 Minuten.
Mit Diazepam:
Diazepam 0,25 mg/kg Körpergewicht i.v. unmittelbar gefolgt von
Ketamin 5 mg/kg Körpergewicht i.v. (0,5 ml/10 kg Körpergewicht)
Die intravenöse Verabreichung von Ketamin sollte langsam und grundsätzlich bis zum Erreichen der gewünschten Wirkung erfolgen. Eine geeignete Prämedikation sollte erfolgen, um eine ausreichende Sedierung vor Verabreichen der Diazepam-Ketamin-Kombination sicherzustellen und um die Intubation zu erleichtern. Die optimale Dosierung sollte individuell an die angewendete Prämedikation angepasst werden. Die durchschnittliche Wirkdauer beträgt 10 – 20 Minuten.
Katze:
Die alleinige Anwendung von Ketamin ist möglich, eine kombinierte Anästhesie ist aber zur
Vermeidung unerwünschter psychomotorischer Effekte empfehlenswert. Ketamin als
Monoanästhetikum kann intravenös injiziert werden. Es wird jedoch die intramuskuläre Injektion empfohlen. Die intravenöse Verabreichung von Ketamin sollte langsam erfolgen.
Als alleinige Anwendung:
11 mg/kg Körpergewicht Ketamin i.m./i.v. zur Ruhigstellung,
22 - 33 mg/kg Körpergewicht Ketamin i.m./i.v. für kleinere Eingriffe und zur Ruhigstellung von widerspenstigen Katzen.
Die Ketamin-Narkose hält 20 – 40 Minuten an und die Erholungsphase dauert 1 – 4 Stunden.
Zur Einleitung einer Anästhesie (Dauer weniger als eine Stunde):
mit Medetomidin:
Medetomidin 80 µg/kg Körpergewicht i.m.
gefolgt von
Ketamin 5 – 7,5 mg/kg Körpergewicht i.m. (0,25 – 0,4 ml/5 kg Körpergewicht)
Die Wirkung tritt nach ungefähr 3-4 Minuten ein, die Wirkdauer variiert zwischen 30 - 60 Minuten und ist dosisabhängig.
mit Xylazin:
Xylazin 1 - 2 mg/kg Körpergewicht i.m./s.c. und
Ketamin 10-20 mg/kg Körpergewicht i.m./s.c. (0,5 - 1 ml/5 kg Körpergewicht)
Wenn die Höchstdosis von Ketamin verwendet wird (20 mg/kg Körpergewicht), dann muss von Xylazin die niedrigste Dosis verwendet werden (1 mg/kg Körpergewicht).
Die Wirkung tritt üblicherweise innerhalb von 5 Minuten nach der Anwendung von Ketamin ein und die Wirkdauer beträgt mindestens 30 Minuten.
Aufgrund der kleinen Volumina wird ein entsprechend kalibriertes Messgerät, zB eine Insulinspritze, empfohlen.
Der Gummistopfen kann bis zu 25-mal sicher durchstochen werden.
Nebenwirkungen
Pferd, Rind, Schwein, Hund, Katze:
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Selten (1 bis 10 Tiere / 10 000 behandelte Tiere): |
Tachykardie, Hypertonie, vermehrter Speichelfluss1 |
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Unbestimmte Häufigkeit (kann auf Basis der verfügbaren Daten nicht geschätzt werden): |
unmittelbare Schmerzen bei der Injektion2, erhöhter Muskeltonus3, Muskelzittern4, Krampfanfall4,5, Nystagmus6, Mydriasis6, Hyperästhesie, Erhöhte Geräuschempfindlichkeit7, Erregung8, Atemdepression9, Atemstillstand10 |
1 Infolge einer Hirnstammstimulierung.
2 Während der intramuskulären Injektion.
3 Infolge einer Enthemmung des extrapyramidalen Systems.
4 Wenn kein Muskelrelaxans begleitend verabreicht wird.
5 Tonisch-klonisch.
6 Die Augen bleiben geöffnet.
7 Während der Anästhesie und in der Aufwachphase.
8 Motorisch.
9 Dosisabhängig. Eine Kombination mit atemdepressiv wirkenden Tierarzneimitteln kann die Atemdepression verstärken.
10 Insbesondere bei Katzen.
Die Meldung von Nebenwirkungen ist wichtig. Sie ermöglicht die kontinuierliche Überwachung der Verträglichkeit eines Tierarzneimittels. Die Meldungen sind vorzugsweise durch einen Tierarzt über das nationale Meldesystem an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder an den Zulassungsinhaber oder seinen örtlichen Vertreter zu senden. Die entsprechenden
Kontaktdaten finden Sie in der Packungsbeilage. Meldebögen und Kontaktdaten des BVL sind auf der Internetseite https://www.vet-uaw.de/ zu finden oder können per E-Mail (uaw@bvl.bund.de) angefordert werden. Für Tierärzte besteht die Möglichkeit der elektronischen Meldung auf der oben genannten Internetseite.
Literaturhinweis
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